Wer ist ICH? Und wie finde ich meins?

Aktualisiert: 3. Dez. 2021

Fragen, die wir uns von Kindesbeinen an stellen sollten. Nur wer wurde schon dazu ermutigt. Umso erfreulicher ist zu sehen, dass diese Thematik nun auch in einem öffentlich-rechtlichen Sender, wie dem ZDF, in der Sendereihe ‘aspekte‘, behandelt wurde. Eine der vielen Aussagen in diesem Beitrag war, es sei schwierig, sich selbst zu finden. Ebenso, dass Soziale Medien einen Erwartungsdruck ausüben, wie das eigene ICH zu sein hat. Sich mit der Thematik des ICH und des SEINS zu beschäftigen ist für viele Menschen neu. Das ist auch nicht mit dem Lesen eines 10-minütigen Artikels getan. Es ist eine Abenteuerreise zu sich, die, einmal begonnen, nicht endet.




Was ist nun dieses ICH? Ist dieses ICH real oder womöglich nur eine Illusion? Was ist nun der Vorteil der Beschäftigung mit meinem ICH?

Die Kurzantwort, was den Vorteil angeht:

Vollkommene Angstfreiheit

Um in vollkommene Angstfreiheit zu kommen, bleibt mir nichts anderes übrig, als mich mit diesem ICH und meinem Sein zu beschäftigen.

Immer wieder versuchen mir Menschen zu erzählen, sie seien nicht ängstlich. Frage ich nach, machen sie sich doch allerlei Sorgen. Sorgen um sich, um ihre Liebsten, um den Job, darum falsche Entscheidung zu treffen, um dies oder das. Übrigens sei es doch normal, sich Sorgen zu machen. Ist es das? Hinzu kommt der Einwurf, sich mit dem eigenen ICH zu beschäftigen, sei doch nur eine intellektuelle Spielerei und ohne Bedeutung für all die Probleme dieser Welt.

Wir müssten doch nur rücksichtsvoller, achtsamer und respektvoller miteinander umgehen. Nicht immer so egoistisch sein und schwuppdiwupp haben wir gleich eine bessere Welt. Wir fragen Coaches sowie Experten und Expertinnen dazu. Besuchen Seminare und „arbeiten“ an der besten Version unserer selbst. Das Problem sind leider immer die anderen - nicht ich.

Beharre ich auf dieser Position, bin ich weiterhin gezwungen, die anderen von meiner Sichtweise zu überzeugen. Und das in nahezu allen Lebensbereichen. Jemanden zu überzeugen ist unglaublich anstrengend und immer mit Kampf verbunden.


Hinzu kommt, dass wir immer Handlungsanweisungen und Rezepte haben möchten, wie wir „besser“ werden können. Bessere Beziehungen führen, bessere Eltern werden, bessere Vorgesetzte, bessere PolitikerInnen, usw.

Der einzige Weg, um herauszufinden, wer Sie sind und was Ihres ist - NACHDENKEN!

Eine Kunst, die uns aberzogen wurde. Wir sollen höchstens darüber nachdenken, ob unser Verhalten angemessen ist. Nachdenken, ob es sinnvoll ist, etwas zu tun oder zu lassen. Partnerschaft oder Job. Ich soll nachdenken, welche Konsequenzen meine Entscheidung haben könnte.

All das ist KEIN Nachdenken. Das ist im Kreis denken. Ich denke dann in den engen Bahnen von Glaubenssätzen, Erwartungen, Vorstellungen und Überzeugungen. Jeder Gedanke, jedes Handeln wird bewertet. Mein ICH, mein EGO, wird dadurch nur noch weiter gestärkt.


Nachdenken bedeutet, die Aussagen des Kobolds im Kopf in Frage zu stellen. Sie verlangen von diesem Wesen dann eine Bestätigung für den Wahrheitsgehalt der gemachten Aussagen!

Für diesen Vorgang alles zu hinterfragen, benötigen Sie niemanden. Nur Sie alleine können Ihre Stimme im Kopf als nichts Reales anerkennen.


Darf ich Sie ermuntern, sich in diese innere Abenteuerreise zu begeben?

Sie ist voller Überraschungen!

Mir ist es am Anfang auch nicht leicht gefallen, einen Positionswechsel im Kopf zu vollziehen. Warum? Meine gutmeinenden Eltern, LehrerInnen und das nahe Umfeld glaubten zu wissen, was für mich das Beste sei.

Die von außen an mich gestellten Erwartungen waren unversehens plötzlich meine eigenen.

Stellen wir all das in Frage, was in unserem Kopf über uns und andere erzählt wird, sind wir zu Beginn zutiefst verunsichert.

Daher spreche ich Ihnen immer wieder Mut zu, sich zu trauen, Ihr bisheriges Denken in Frage zu stellen. Mut, weil Sie dem ICH dadurch die Grundlage für seine Existenz entziehen werden.


Was soll das bedeuten? Dem ICH die eigene Existenz entziehen? Hilft mir das überhaupt weiter und bleibt es dabei nicht nur bei einer philosophischen Spinnerei?

Am Beispiel des Phänomens Ärger oder Wut, werden wir diesem scheinbaren ICH und wie es Sie gefangen hält, auf die Spur kommen.


In dem folgenden Beispiel sagt Ihnen die Stimme in Ihrem Kopf:

Sei jetzt wütend! Ärgere Dich!

Sie haben z.B. für Ihre Freunde gekocht. Zwei sind erschienen, zwei sind nicht gekommen. Sie haben einfach per SMS kurzfristig abgesagt. Ohne Begründung. Einfach nur:“ Es tut uns leid. Wir kommen nicht“. Der übliche Ablauf verläuft nach dem immer gleichen Muster. Es gibt eine Erwartung an die Gäste und den Abend. Die Erwartung wird nicht erfüllt. Jetzt wird das emotionale Erregungszentrum aktiviert. Hormone werden ausgeschüttet, die den Körper in Anspannung versetzen. Der Verstand formuliert eine Erwartung. Diese wird dann bewertet und legitimiert. Die Rückkopplung vom Verstand zum emotionalen Erregungszentrum hält die Ausschüttung der Stresshormone aufrecht. Das „Menü Ärger“ wird durch weitere Zutaten angereichert. Begründungen sind eine davon. Fehlt die Begründung, weshalb ein Erscheinen nicht möglich war, lässt sich noch vortrefflicher ärgern. Deswegen erfinden wir so oft Begründungen, damit sich der oder die andere nicht ärgert. Erfolgt die Absage ohne Begründung, reichern wir das Menü zusätzlich mit „fehlendem Respekt und Unachtsamkeit“ an! Wenn Sie wollen verraucht der Ärger schnell. Meistens jedoch suchen wir Verbündete, um die eigene Wut am Köcheln zu halten. Die, die nicht da sind, werden zum abendfüllenden Thema. Man tauscht sich auf dem Spielplatz der Befindlichkeiten aus. Herrlich, die Komödie ist im vollen Gange und das ICH jubiliert. Auch eine Möglichkeit, Zeit miteinander zu verbringen.


Jetzt beginnt der interessante Teil der inneren Abenteuerreise, um dem ICH seine Existenz zu entziehen. Es als Illusion anzuerkennen.

Fragen Sie sich, ob Ihre Erwartung stimmt. Woher kommst Du? Bist Du das Produkt meiner Überzeugung - also wirklich meines Denkens? Alles wird unter die Lupe genommen. Meine Begründungen, meine Erklärungen und meine Bewertungen. Meine Meinungen zu Respekt und Achtsamkeit.

Fordern Sie von Ihrem Verstand, eine nachvollziehbare und schlüssige Erklärung zu geben. Eine Erklärung über den Wahrheitsgehalt all dessen.

Das ist der Positionswechsel im Kopf, von dem ich immer wieder spreche. Versuchen Sie aus der gewohnten Normalität des eigenen Denkens und der eigenen Wahrnehmung auszusteigen.

Laut Wikipedia erklären wir etwas für real, was keiner Illusion unterliegt und nicht von Wünschen oder Überzeugungen abhängig ist.

Bleiben wir bei dem Beispiel von Wut/Ärger:


1. Über das ICH definieren wir uns im allgemeinen. (Ich bin so! Der ist so!)

2. Definieren kann ich mich nur über den Verstand.

2. Das ICH ist somit Teil meiner psychosomatischen Einheit.

(Der Einheit aus Körper-Verstand-Emotionen.)

3. Meine Emotion „Ärger“ unterliegt meiner Bewertung bzw. Überzeugung.

4. Da meine Überzeugung laut Definition nicht real sein kann, kann auch

mein Ärger nicht real sein.

5. Da die Überzeugung im Verstand entsteht, kann der Verstand nicht real sein.

6. Wenn der Verstand nicht real ist, wie kann dann mein ICH real sein?

Mein ICH kann nicht unabhängig vom Verstand existieren.


Ich nehme mich über meine Sinne, einschließlich des Verstandes, wahr. Wenn mein Verstand jedoch von seinen erlernten Überzeugungen und emotionalen Glaubensinhalten beeinflusst wird, können wir folgende Aussage tätigen:

Das ICH ist offenbar eine Schein-Realität! Es verfügt über keine eigene Existenz!

Wir tun uns sehr schwer, diese Tatsache aufgrund unserer Erziehung einfach zu akzeptieren. Mache ich das, fällt mein bisheriges Weltbild, von einer Sekunde zur anderen, in sich zusammen. Dazu gehört Vertrauen.

Wir vertrauen uns oft ja selbst nicht mehr, wie sollten wir es dann Anderen entgegenbringen?

Machen Sie sich daher mit Ihrem genialen Verstand auf die Suche und decken Sie dieses SCHEIN-ICH alleine auf. Fangen Sie an, alles zu hinterfragen. Ihre Enttäuschungen und Ihre tiefsten Verletzungen. Ihre Erwartungen sowie Ihre Hoffnungen. Ihr Wollen, Ihr Müssen, Ihr Gefühl von Verantwortung. Hinterfragen Sie, wie sehr Sie sich selbst ständig bewerten oder mit anderen vergleichen. Warum machen Sie das? Haben Sie Angst vor Ihren wahren Natur? Vor Ihren eigenen Größe?

Es geht bei diesem mentalen Prozess immer darum, dass Sie einen Beweis für den Wahrheitsgehalt einzelner Aussagen möchten. Fordern Sie Ihren Verstand durch Ihren Verstand heraus. Stellen Sie die Legitimität des eigenen ICH’S in Frage.


Wird das ICH auf diese Weise als nicht real anerkannt, fangen Sie an, sich zu spüren. Sie gewinnen Ihr Selbstvertrauen zurück. Sie haben sich damit aus dem Bewertungs- und Erwartungsdruck der anderen befreit.


Sich zu Spüren bedeutet die Verbindung mit seinem Sein. Diese Erkenntnis berührt tief.

Das Wort Sein ist gleichbedeutend mit Selbst. Sein steht für Gott und Schöpferkraft. Für Alleinheit. Alles ist eins.

Mir ist klar, dass solche Aussagen erst einmal irritierend und fremd erscheinen mögen. Wir haben uns bisher überwiegend den Anforderungen der modernen Zeit zugewandt. Der Blick auf meins ist dabei abhanden gekommen.

Für dieses SEIN gibt es weder Worte noch Bilder.

Das Sein ist unendlich, raum- und zeitlos. Es war immer da und wird immer sein.

Woher ich das weiss? Mein Verstand hat all die Konzepte, die er konstruiert, als nicht real anerkennt. Gleichzeitig kann mein Sein/Selbst sich nur mit Hilfe des Verstands in dieser Welt verwirklichen. Mein Sein kann ich nur spüren. Das ist meine Realität. Ich und Sein sind untrennbar miteinander verbunden. Wobei mein Sein unendlich ist, mein Ich jedoch vergänglich. Dieses tiefe, in Ihnen veranlagte Wissen, lässt Sie angstfrei werden.


Martin Juch

Anticoaching

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