Sie brauchen keinen Coach! Sie wissen alles!

Aktualisiert: 2. Dez. 2021


Eine gewagte Aussage, wo es doch so viele gutmeinende Experten und Expertinnen gibt, die uns Empfehlungen oder Handlungsanweisungen für ein besseres Leben geben. Was auch immer „besser“ bedeuten mag. Sie alleine und niemand sonst, sind der beste Coach für das eigene Leben.

Dann gebe ich Ihnen jetzt mal eine Empfehlung. Wir scheinbaren Experten, können es wohl nicht lassen, andere mit unserem Wissen zu beglücken. Es ist nicht ganz korrekt. Von mir bekommen Sie keine Ratschläge, ich möchte Sie ermuntern, sich neugierig mit der Funktionsweises Ihres Denkens zu beschäftigen. Diese Beschäftigung ist reizvoll und entspricht in etwa einer Abenteuerreise in unbekanntes Terrain.



Alles wovon ich berichte, habe ich selbst ausprobiert. Es ist ein Paradigmenwechsel im Kopf. Der Zustand aus dem dann heraus gehandelt wird, lässt sich mit Worten nur annähernd beschreiben. Ein Daseins Zustand jedenfalls, in dem Sie sich selbst wieder spüren. Das was Sie zutiefst in sich spüren, ist weder erklärbar noch begründbar. Für unseren Verstand ist es eine neue Denkleistung, wenn ich ihn an das wort- und bildlose Spüren heranführe. Er wurde darauf trainiert, alles im Leben begründen und erklären zu können und soweit es geht, alles unter Kontrolle zu haben. Nun soll ich ihn umtrainieren? Warum?


Worin liegt mein Vorteil?

Bevor wir uns dem Vorteil zuwenden, betrachten wir einmal, wie unser Verstand funktioniert. Ohne unseren Verstand könnten wir nicht handeln, nicht unser Leben managen. Er ist neugierig und lebendig. Dieser Verstand ist, vereinfacht ausgedrückt, nichts weiter als ein Biocomputer. Von Kindesbeinen an wird er programmiert. Das ist weder gut noch schlecht. Es ist eine einfache Feststellung.

Ich kann den Verstand auch dazu nutzen, sich selbst zu hinterfragen und somit sich selbst neu zu entdecken. Die Wissenschaft nennt es „intrinsisch Lernen“. Ich lerne aus einer inneren Motivation heraus. Ich beschäftige mich mit meinen altangestammten Denkmustern, meinen Überzeugungen und Erwartungen, mit meinen mich dominierenden Glaubenssätzen. Ich beschäftige mich mit dieser inneren Stimme, die mir sagt, wie ich sein soll und mich zu verhalten habe. Die mir was von Erwartungen erzählt und mich ärgern lässt, wenn sie nicht erfüllt werden. Dieser Stimme, die mich von meinem kraftvollen Tun abhält, weil sie mir Angst oder Sorgen einredet.


Ich beschäftige mich mit meiner inneren Stimme, weil ich keine Lust mehr habe, ihr zuzuhören!

Sind Sie an diesem Punkt angelangt, darf ich Ihnen gratulieren. Dann sind Sie bereit, alles was Sie bisher über sich, die anderen und die Welt gedacht haben, zu hinterfragen. Sie stehen am Beginn einer Abenteuerreise zu sich selbst. Sind Sie dann bei sich angelangt. Angekommen in Ihrem Selbstbewusstsein, werden Sie um Ihr Sein bzw. Selbst wissen. Sie wissen, ohne es jemals beschreiben zu können. Dieses Wissen können Sie nur spüren. Sie spüren somit sich selbst und von da aus managen Sie mit Hilfe Ihres genialen Verstandes IHR Leben.

Für diesen Vorgang benötigen Sie keinen Coach! Vielleicht ein paar Anregungen. Sie probieren sich aus und beobachten was passiert, wenn Sie sich von allen Glaubenssätzen verabschieden. Nicht die vermeintlich Negativen in Positiv transformieren. Nein, ganz einfach aus Ihrem Biocomputer löschen.


Nehmen wir das Wort „managen“ und was unser Verstand dazu sagt.

Umgangssprachlich ausgedrückt, organisiert jemand etwas geschickt oder jemand wird geschäftlich betreut (gemanagt). Unser Verstand unterteilt jetzt in eine Elite, die die Kunst des Managements beherrscht und die Vielen, die gemanagt werden.

Unser Verstand erhebt Management zu einer Wissenschaft. Es vermittelt Tools, die in Managementakademien zu lernen sind. Diese werden auf ihren Erfolg hin untersucht, validiert, bewertet und verglichen. Der Verstand unterteilt in gute und schlechte MangerInnen. Dann gibt es Studien, die den Unterschied von weiblichen und männlichen Managementansätzen untersuchen. Der Schwerpunkt liegt dabei in der Bewertung der Menschen. Das macht es so exklusiv und zu etwas Besonderem.

Der Verstand baut bei diesem Konstrukt eine Konkurrenz- und Wettbewerbshierarchie auf.

Der Verstand legitimiert den Kampf, erläutert und begründet das perfekt. Er schafft Glaubenssätze und Überzeugungen. Wir betrachten das dann als normal und nicht veränderbar.

Der Umstand liegt darin begründet, dass wir den Verstand, eine neue Gehirnregion, mit der Ältesten - den Emotionen - verbunden haben und Glaubensinhalte legitimieren. Und die Ursuppe von all unseren Emotionen ist nun einmal die Angst. Selbst in der Freude über einen gut dotierten Job oder eine robuste Gesundheit, schwingt die Angst mit. Wir wollen das, was wir gerade freudvoll erleben, nicht wieder verlieren.

Zurück zu unserem Beispiel des Managens. Was passiert, wenn mein Verstand die Unterscheidung von ManagerIn und Gemanagten in Frage stellt. Aus diesem Gedankenspiel heraus, managt Jeder. Ob das Kind im Kindergarten, die Führungskraft in einem multinationalen Konzern oder Menschen die obdachlos sind. Alle, ausnahmslos alle, managen IHR Leben. Gleichgültig wo sie vom Alter, Bildung, Einkommen, Status, usw. stehen mögen. Es liegt in unserer Natur, zu versuchen, das eigene Leben so geschickt als uns möglich, zu organisieren. Jeder von uns ist einzigartig, aber auf keinen Fall wichtig.

Untersuche ich eingehender die Grundlage all meiner verstandesmäßig konstruierten Bewertungen und Vergleiche, erkennt er , der Verstand, die Angst als Triebfeder.

In der Folge die Verbindung von Verstand und Emotionen.

Der Verstand treibt den Menschen an, weil er Angst hat. Angst nicht zu genügen, nicht gut genug zu sein, zu verlieren, zu versagen oder nicht geliebt zu werden.

Ein Management, welches auf dieser emotionalisierten Denkstruktur basiert, führt in Systeme, die so sind, wir wir sie erleben. Nochmals. Sie sind weder gut noch schlecht. Sie sind was sie sind. Ganz einfach, weil wir es mehrheitlich so gelernt haben.


Was passiert, wenn ich mich auf den Weg mache, all das, was ich im Leben bewerte, vergleiche und erwarte nicht nur in Frage zu stellen. Sondern darüber hinaus zu gehen und meinen Verstand, die durch dieses Denken geschaffene Realität, als unwahr erkennen zu lassen.

Mein Verstand hilft mir also, sich von all meinen Befindlichkeiten zu trennen. Von meinen Überzeugungen, von dem was ich erwarte und letztendlich von der Angst vor der Endlichkeit, dem Tod. Der Verstand löst sich durch diese mentale Arbeit, ganz aus sich heraus, von den Emotionen und verbindet sich mit seinem Spüren, mit seinem Sein, mit seinem Selbst. Der Verstand hat sich von den Emotionen abhängig gemacht, weil sich alle seine Regungen erklären lassen. Darauf ist er trainiert. Das was ich spüre, also mein Sein, werde ich niemals erklären können. Er wird durch Sie lernen, dass nicht Begründbare zu akzeptieren und daraus zu handeln.

Sie möchten ein Beispiel für dieses nicht begründbare Spüren:

Wie schon geschehen, nicht nur in Komödien. Jemand spürt im Standesamt, doch nicht zu heiraten. Es wartet weder eine andere Liebe, noch spricht augenscheinlich etwas gegen die Eheschließung. Selbst in den dabei geschaffenen Aufregungen und Turbulenzen spüren Sie, dass es die beste Entscheidung für Sie war. Selbst Jahre später werden sie diese nicht erklären können.


Der Vorteil, der sich durch diesen Prozess ergibt: Sie beginnen sich selbst wieder zu spüren. Sie spüren für sich, was zu tun und zu lassen ist. Sie übernehmen selbst Verantwortung. Diese Form der Selbstverantwortung ist unbelastet und frei von all dem, was in Ihrem Kopf in der Vergangenheit herumschwirrte. Sie finden Antworten für Ihr Dasein. Ohne fremde Hilfe.

Sie vollziehen durch diesen mentalen Prozess den Paradigmenwechsel. Von einem emotionalem Wesen zu einem spürenden Wesen.

Sie sind weiterhin aktiv ohne jemals gestresst zu sein. Sie werden unabhängig von den Entscheidungen anderer und gleichzeitig ärgert Sie nichts mehr. Sie sehen einen Fächer an Möglichkeiten und hängen nicht in der Alternativlosigkeit. Sie gestalten Ihr Leben, was weit über das gut Funktionieren hinaus geht. Sie handeln, Sie managen, ohne einen Coach fragen zu müssen, ob das die richtige Entscheidung sein könnte.

Vertrauen Sie dem, was Sie spüren. Vertrauen Sie dem, was nicht rational erklärbar ist. Wie ich eingangs sagte, ist Ihr zutiefst inneres Wissen, jederzeit zugänglich. Ohne kämpfen zu müssen, ohne sich zu viel Sorgen zu machen. Woher ich das weiß? Seit vielen Jahren lebe ich danach und erlebe immer noch subtilere Ebenen der Wahrnehmung.

Ich kann Sie nur ermuntern, einen Selbstversuch zu unternehmen. Vielleicht klappt es nicht sofort. Vielleicht auch auf Anhieb. Überraschen Sie sich selbst. Seien Sie einfach neugierig und begeben Sie sich auf die besagte mentale Abenteuerreise. Aus dieser inneren Abenteuerreise erwächst eine neue Art des Managements. Eine neue Form des Miteinanders. Eine neue Qualität des Lebens.


Martin Juch

Anticoaching

www.martinjuch.com

martin@martinjuch.com

+43 676 7828431

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