Anna Kargl

Der Zugang zur Musik war für mich damals einfach und leicht, damit war es für mich
keine Frage, eine musikalische Laufbahn einzuschlagen, da Musik und Gesang schon immer
die Formen waren, in denen ich mich völlig natürlich ausdrücken konnte und es mir nicht in den
Sinn gekommen wäre, diese nur als Teil von mir zu bezeichnen - Singen und Ich, da war keine Trennung.

 

Umso mehr ich in Kontakt mit sogenannter Professionalität kam, desto größer wurden die Ansprüche an mich selbst und immer mehr verfing ich mich in einem Feld, in dem ich und meine Stimme zum Produkt wurden. Zunehmend ließ ich mich stimmlich von dem trennen, was mich innerlich bewegte. 

Virtuose Technik, vorgefertigte Rollen und Masken - in meiner universitären Ausbildung lernte ich all dies perfekt zu beherrschen, allerdings wurde mein Leben dabei mehr und mehr zu einem Kampf zwischen dem was ich spürte und dem was ich zu leisten hatte. 

 

Denn zu Herzen Gehendes entspringt für mich aus einem tiefen Blick in das eigene innere Dasein. 

Mein Leidensdruck musste groß werden, bis ich erkannte, dass dieser Zugang auf der Universität kaum Platz hatte. Allerdings wurde ich dadurch auch gezwungen, mich auf das zu besinnen, was früher von Natur aus stimmig für mich war. 

 

Durch diese neue Ausrichtung entstand ein Feld, das Menschen und LehrerInnen in mein Leben brachte, die Räume öffneten, in denen ich mich und meine Stimme wieder in Einklang bringen konnte. 

 

Damit ging einher, dass ich jeglichen Zwang aufgab, nach Erfolg zu suchen und mich der Anerkennung wegen zu verbiegen. Es war hart, das aufzugeben, was so viele Jahre hindurch scheinbar Sicherheit gab, aber nach und nach lernte ich Methoden kennen, dem was ich spürte zu vertrauen. 

 

Ich beschäftigte mich intensiv mit meiner Körperwahrnehmung, meinem Atemgeschehen, meiner Stimme, und erkannte dabei die Einzigartigkeit jeder dieser Regungen. Für mich wurde dabei klar, dass nur ich selbst entdecken konnte, was mich innerlich bewegt und was zum Ausdruck gebracht werden möchte.

 

Dadurch muss ich nicht mehr künstlich schaffen, es entsteht eine Hingabe dem gegenüber, was sich ohne Absicht zeigen möchte und so ein Feld erzeugt, das von selbst nach Außen dringt und Anklang findet. Nur durch eigene Berührtheit, kann entstehen, was berührt. 

 

 

Gemeinsam mit Menschen gehe ich begeistert auf Entdeckungsreise, um das von Natur aus gegebene Können wahrzunehmen. Indem ich Raum in vertrauensvoller Atmosphäre schaffe, in welchem wir unserem Körper und unserem Atemgeschehen begegnen, kommen wir in Kontakt mit der eigenen Stimme, was zu mehr Selbstbestimmtheit in allen Bereichen des Lebens mündet – das liegt mir am Herzen. 

 

Wenn dann der Mut entsteht, eine Arie zu singen, dann lasst uns die Spiele beginnen. :-)

 

Bevor ich Singen gelernt habe,

konnte ich es einfach.

Bevor ich mich beim Tanzen verunsichert mit anderen verglichen habe,

konnte ich es einfach.

Bevor mir andere zusprachen, vor Entscheidungen zu überlegen,

kannte ich meinen Weg ohne darüber nachzudenken.

Bevor ich begonnen habe jemand Besonderes sein zu wollen,

konnte ich einfach ich selbst sein.

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